Ein Kind hält ein weißes Gänseblümchen in der Hand. Das Bild steht für gemeinsames Aufwachsen, Inklusion und Teilhabe von Anfang an und begleitet einen Beitrag der VorSchulischen Beratung von integration wien zur inklusiven Betreuung bei Tageseltern.

Inklusion beginnt im Kleinen: Wie kann inklusive Betreuung bei Tageseltern gelingen? Kerstin Toth, Mitarbeiterin in der Beratungsstelle für (Vor-) Schulische Integration, hat nachgefragt. Persönliche Einblicke von Tagesmutter, Familie und Fachkräften zeigen, was gut gelingt – und wo noch Unterstützung gebraucht wird.


Wie im Newsletter-Beitrag im Sommer 2025 angekündigt, wird die Reihe „Inklusion in Kindergärten, Kindergruppen und bei Tageseltern“ fortgesetzt.

Inklusion ermöglicht Chancengleichheit, Vielfalt und Teilhabe von Anfang an. Kinder sollen gemeinsam aufwachsen, miteinander spielen und voneinander lernen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Entwicklungsstand, Behinderung oder chronischer Erkrankung.
Seit 22. Oktober 2024 gibt es in Wien eine neue gesetzliche Grundlage für Inklusion in der Elementarpädagogik. Damit können private Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern unter bestimmten Voraussetzungen Plätze für Kinder mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen anbieten.

Für diesen Beitrag stand der Verein Eltern für Kinder Österreich (EFKÖ) für Interviews bereit: Mit dem Verein verbindet die Beratungsstelle für (Vor-) Schulische Integration seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit.
Die nachfolgenden Einblicke basieren auf den Antworten der Interviewpartnerinnen auf schriftliche Interviewfragen. Die Antworten wurden für diesen Beitrag zusammengefasst und redaktionell aufbereitet; wörtliche Zitate wurden unverändert übernommen.

Die Inklusionspädagogin des Tageselternzentrums (des Vereins EFKÖ) Saskia Brillmann, die Fachbereichsleiterin Ruth Auer-Tischina sowie eine Tagesmutter und die Mutter eines von einer Tagesmutter betreuten Kindes mit Behinderung geben Einblicke in Praxis der inklusiven Betreuung durch Tageseltern. Auf Wunsch der befragten Tagesmutter und der Mutter werden ihre Namen sowie der Name des Kindes nicht genannt. Das Kind wird im Beitrag mit dem Kürzel R. bezeichnet.

Gemeinsam aufwachsen – voneinander lernen!
Inklusion beginnt dort, wo Kinder mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen selbstverständlich dazugehören. Auch Tageseltern leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Gerade die kleine, familiäre Gruppe bietet besondere Möglichkeiten, Kinder mit Behinderung oder chronischer Erkrankung individuell zu begleiten und ihnen Teilhabe am Betreuungsalltag zu ermöglichen.

Beim Tageselternzentrum (TEZ) werden derzeit 310 Kinder von Tageseltern betreut, davon 12 Kinder mit Behinderungen und/oder chronischer Erkrankungen. Für die Inklusionspädagogin des TEZ, Saskia Brillmann, und die Fachbereichsleiterin Ruth Auer-Tischina ist diese Betreuungsform daher „eine tragende und immer wichtiger werdende Rolle“ in der Bildungs- und Betreuungslandschaft.

Kleine Gruppe – große Wirkung!

jarmoluk hands 2847508

Eine besondere Stärke sehen die beiden Expertinnen in der überschaubaren Gruppengröße. „Wir glauben, dass gerade die kleine, familiäre Gruppe eine große Stärke der Tageseltern ist“, erklären sie. Jedes Kind könne individuell begleitet werden, Bindungen würden rascher entstehen und Kinder fühlten sich in der kleinen Gruppe häufig wohler.


Auch die Tagesmutter erlebt diese Vorteile täglich. Bei Tageseltern gibt es eine konstante Bezugsperson, einen familiären Rahmen und eine Gruppe von höchstens fünf Kindern. „Deshalb ist der Schritt in die Fremdbetreuung nicht ganz so groß“, beschreibt sie ihre Erfahrung. Gleichzeitig müsse die Betreuung immer wieder an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst werden.

Für die Mutter von R., einem Kind mit Entwicklungsverzögerung, war genau das entscheidend: „Bei seiner Tagesmutter bekommt er die Aufmerksamkeit, die er braucht, ohne in einer großen Gruppe unterzugehen.“ Auch auf seine alltäglichen Bedürfnisse – etwa beim Essen oder Schlafen – kann flexibel eingegangen werden.

Jedes Kind gehört dazu
Inklusion bedeutet dabei mehr als individuelle Unterstützung. Sie bedeutet auch, dass Kinder miteinander aufwachsen und Unterschiede als selbstverständlich erleben.

„Die Kinder lernen, dass es selbstverständlich und gut ist, einander zu unterstützen“, sagen Saskia Brillmann und Ruth Auer-Tischina. Auch die Tagesmutter beobachtet, wie die Kinder lernen, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Bedürfnissen umzugehen: Sie entwickeln Rücksichtnahme und erfahren, dass jeder Mensch anders ist.

Bei R. erlebt seine Mutter das Miteinander als sehr positiv: Die anderen Kinder nehmen auf ihn Rücksicht und er ist gut in die Gruppe integriert. Für die Familie ist es wichtig, dass er nicht nur betreut wird, sondern ganz selbstverständlich Teil der Gruppe ist.

Gleichzeitig profitieren auch die anderen Kinder von diesem gemeinsamen Alltag. Sie erleben Vielfalt von klein auf, lernen unterschiedliche Bedürfnisse kennen und erfahren, dass gegenseitige Unterstützung, Rücksichtnahme und Zusammenhalt selbstverständlich sein können. Inklusion schafft damit Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Kinder.

Individuelle Bedürfnisse – flexible Lösungen
Inklusive Betreuung kann allerdings auch Herausforderungen mit sich bringen. Die Tagesmutter berichtet, dass Strukturen und Abläufe im Alltag immer wieder an die individuellen Bedürfnisse des Kindes angepasst werden müssen. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass auch die anderen Kinder ausreichend Aufmerksamkeit bekommen.
Bei R. zeigte sich beispielsweise, dass seine Eingewöhnung etwas länger dauerte. Sein Schlafrhythmus war verzögert, und auch beim Essen brauchte er zunächst mehr Zeit. Später stellte sich heraus, dass er motorisch und sprachlich verzögert ist. Besonders herausfordernd war für die Familie die Zeit vor der Diagnose: „Wir wussten, dass R. Einschränkungen hatte, konnten aber die Relevanz für die Betreuung noch nicht einordnen“, so seine Mutter. Nach der Diagnose musste zunächst geklärt werden, ob die Betreuung bei der Tagesmutter fortgesetzt werden konnte.

Zusammenarbeit – die Basis für gelingende Inklusion

tungart7 child 8971321

Mit der neuen gesetzlichen Grundlage für Inklusion in der Elementarpädagogik sind für Tageseltern auch neue Vorgaben verbunden. Wird ein Kind mit Diagnose und erhöhtem Betreuungsbedarf aufgenommen, muss dies der Kompetenzstelle Inklusion Elementarpädagogik gemeldet werden. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Dokumentationsanforderungen.

Die Tageseltern des TEZ werden bei der inklusiven Betreuung von Beginn an, durch die Inklusionspädagogin Saskia Brillmann begleitet. Entscheidend sind für Frau Brillmann und Frau Auer-Tischina aber nicht nur die Formalitäten, sondern vor allem, dass sich die Tagesmutter die Betreuung zutraut und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Familie entsteht.

Auch die Tagesmutter betont die Bedeutung dieser Unterstützung: Neben ihrer Ausbildung als Sonderpädagogin und ihren persönlichen Erfahrungen als vierfache Mutter und Pflegemutter eines Kindes mit Unterstützungsbedarf sind für sie vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und der Rückhalt durch die Fachbereichsleitung wichtige Stützen in ihrer Arbeit.

Gelingende Inklusion stärkt auch Fachkräfte und Trägerorganisationen. Sie erweitert Handlungsmöglichkeiten, eröffnet neue Perspektiven und zeigt, welche Rahmenbedingungen und Unterstützungsstrukturen notwendig sind, damit Teilhabe im Alltag gelingt und inklusive Angebote weiterentwickelt werden können.

Inklusion, die alle bereichert
Was bleibt von diesen Erfahrungen? Für die Mutter von R. vor allem die Erkenntnis, dass auch ein zunächst „steiniger“ Weg gelingen kann: „Mit guter und regelmäßiger Absprache mit der Tagesmutter hat es im Endeffekt gut geklappt.“

Die Tagesmutter hat gelernt, stärker auf die eigenen Ressourcen zu achten – und gleichzeitig erlebt, wie wertvoll es sein kann, Schwierigkeiten gemeinsam zu überwinden: „Jetzt erfreuen wir uns an jedem Entwicklungsschritt, und diese Freude möchte ich um keinen Preis missen.“

Für die Zukunft wünschen sich die Fachbereichsleitung Ruth Auer-Tischina und die Inklusionspädagogin Saskia Brillmann vor allem eines: Inklusion soll noch niederschwelliger werden.

Gelebte Inklusion wirkt über das einzelne Kind hinaus: Alle Kinder lernen voneinander und erleben Vielfalt als selbstverständlich. Auch Familien, Fachkräfte und Trägerorganisationen profitieren von den Erfahrungen und entwickeln inklusive Strukturen weiter.

Kleine Gruppe, große Chancen steht damit für gemeinsames Aufwachsen, gegenseitiges Lernen und Teilhabe von Anfang an.

Ein herzliches Dankeschön an alle Interviewpartnerinnen für ihre Offenheit und die persönlichen Einblicke in ihre Erfahrungen.

In der nächsten Ausgabe unseres iwi-Newsletters steht das Thema Inklusion in privaten Kindergärten im Mittelpunkt.

Fragen zu Kindergarten, Schule oder Unterstützungsleistungen?
Sie haben Fragen zu Kindergarten oder Schule, Nachmittagsbetreuung, Ferienbetreuung, finanziellen Leistungen oder weiteren Unterstützungsangeboten?
Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit der Beratungsstelle für (Vor-) Schulische Integration auf. Das Team ist gerne für Sie da.

Kontakt:
Telefon: 01/789 26 42 - DW 12, DW 22 und DW 31
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

O P logo FSW RGB

integration wien

Tannhäuserplatz 2/1
1150 Wien
Telefon: 01 / 789 26 42
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
www.integrationwien.at/schule

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.